Leitartikel
Unterwegs und zuhause ein Erlebnis

Andererseits hat es auch mit einem bestattungskulturellen Wandel zu tun: Friedhöfe sind nicht mehr nur Orte der Trauer, sondern haben sich auch zu Orten des Lebens entwickelt: Sie sind Naherholungsgebiete, kulturelle Treffpunkte, bieten Raum für Biodiversität und gemeinsames Gärtnern z. B. mit Kindern oder Schulklassen. Für all das ist schönes Wetter natürlich nicht die Bedingung, aber eine gute Voraussetzung.
Friedhöfe sind nicht mehr nur Orte der Trauer, sondern haben sich auch zu Orten des Lebens entwickelt.”
Reiseziel Friedhof
Manchmal sind Friedhöfe auch Reiseziele: Regelmäßig besuche ich im Sommer das Grab meiner Großeltern im Allgäu und verbinde das mit ein paar Ferientagen. Es ist ein kleiner Dorffriedhof, bei dem alles ganz traditionell abläuft. Die weiße Kapelle steht in der Mitte, das Doppel-Erdgrab liegt nahe der Friedhofsmauer. An heißen Tagen fahre ich mit dem Fahrrad vorbei, fülle eine Gießkanne und gebe den Blümchen auf dem Grab Wasser. Dann nehme ich eine zweite Kanne und gieße noch bei den Nachbarn – das ist so unser Arrangement: Wer am Friedhof vorbeikommt, gießt jeweils beim anderen mit. Auch die Großeltern der Nachbarn kannte ich gut: Bei Oma Franziska gab es immer leckeren Kuchen und sie lachte meist übers ganze Gesicht, wenn die Enkel und ihre Freunde zu Besuch kamen. Und Opa Thomas hatte Hühner, die gackerten durch den Garten und die frischen Eier schmeckten besonders gut. Ihre Fotos auf dem Grabstein rufen Kindheitserinnerungen hervor und ich bleibe eine Minute stehen und denke an diese unbeschwerten Zeiten.

Wandel auf dem Dorffriedhof
Tatsächlich hat sich auch dieser kleine Dorffriedhof gewandelt: Es gibt inzwischen Urnengräber und eine Gemeinschaftsgrabanlage in einem neuen Friedhofsteil. Die Modernisierung passt sich aber harmonisch an den ursprünglichen „Kirchhof“ an und wird, wie ich höre, auch gut angenommen.


Blick nach draußen
Ein wenig über den Tellerrand möchten wir in dieser Ausgabe auch blicken: So präsentieren wir Ihnen unter anderem Friedhöfe in Schweden und Kanada und lernen so unterschiedliche bestattungskulturelle Gepflogenheiten kennen.
Mobile Trauerhaltestelle
Nicht zuletzt möchten wir in dieser Ausgabe noch einmal unsere mobile Trauerhaltestelle vorstellen: Als fester interreligiöser Trauerort steht das prominente Projekt der Stiftung Deutsche Bestattungskultur auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf und ist zu einem lebendigen Begegnungszentrum geworden (die bestattungskultur berichtete mehrfach). Nun gibt es von dem Erfolgskonzept auch eine mobile Version, die auf den verschiedensten Friedhöfen aufgestellt werden kann, lesen sie hier dazu das Neueste.

Nun bleibt mir noch, Ihnen einen schönen Sommer zu wünschen. Falls Sie auch verreisen, erholen Sie sich gut und entdecken vielleicht den einen oder anderen bisher unbekannten Friedhof. Wir lesen uns wieder im September.